Projektbesuch in Peru

Im Oktober besuchten wir unseren Projektpartner Pukllasunchis in Peru. An den Primarschulen in Ccoñamuro und Chillihuani produziert die Organisation Radioprogramme, die in der ganzen Region ausgestrahlt werden. Parallel dazu bildet Pukllasunchis die LehrerInnen in interkultureller Pädagogik aus. Für die SchülerInnen, die aus indigenen Gemeinschaften kommen und Quechua sprechend sind, ist das von grosser Bedeutung: Bis vor kurzem war die Schule in Peru ein Ort, wo Kindern vor allem Spanisch und die westlich geprägte urbane Kultur gelehrt wurden. Dank dem Radioprojekt können die Kinder ihre Lebenswelt in den Unterricht einbringen und ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikativen Kompetenzen stärken. Wir haben zwei der Kinder in ihrem Schulalltag begleitet – Henry, der die Schule in Ccoñamuro besucht und Ermelinda, die in Chillihuani zur Schule geht.

Henry hat nicht weit zur Schule. Zu Fuss ist er in drei Minuten dort. 
Die Schule von Ccoñamuro liegt auf 3’900 M.ü.M.

Für die Tonaufnahmen studieren die Schulklassen ganze Theaterstücke zu einem bestimmten Thema ein. Meistens machen sie die Aufnahmen unter freiem Himmel. Henry und ein Schulkollege transportieren den Lautsprecher, über den sie die nötige Musik für ihr „Theaterstück“ abspielen werden.
Die Kinder wissen genau, wie sie besimmte Geräusche für die Tonaufnahmen immitieren können.

Alle Aufnahmen werden immer im Beisein von allen SchülerInnen gemacht. Die LehrerInnen, die am Projekt teilnehmen, sind engagiert und wissen ganz genau, für was sie ihren Einsatz leisten.

Henry übernimmt auch die Rolle des Kommentators.

Zwischen den einzelnen Tonaufnahmen gibt es oft Zeit für Spiel, Spass und Tanz.

Zuhause erledigt Henry verschiedene Aufgaben. Neben jenen für die Schule hilft er auch im Haushalt mit. Wenn seine Eltern nicht zu Hause sind, ist er auch für Anliegen der Nachbarn zuständig.
Die Meerschweinchen, die seine Eltern züchten und an Restaurants verkaufen, füttert er besonders gern.

Im Unterricht verbindet der Lehrer das Thema des Radioprogramms mit Schulstoff, oft auch mit Mathematik. Rechenaufgaben machen Henry dann besonders Spass, wenn sie mit einer Geschichte verbunden werden können.
Fürs Mittagessen sorgen die Mütter der SchülerInnen, die sich in dieser Aufgabe regelmässig abwechseln.

Im Nachbarsdorf befindet sich das Studio des „Radio Ausangate“. Hier werden die Radioprogramme der Landschulen regelmässig ausgestrahlt. Radio Ausangate ist ein Radiosender unter vielen, die diese Radioprogramme ausstrahlen.
Ermelinda und ihre Kolleginnen auf dem Weg zur Schule in Chillihuani. Das Dorf liegt etwa eine dreistündige Autorfahrt von Ccoñamuro entfernt.

Die Mädchen versuchen immer, in einer möglichst grossen Gruppe zur Schule zu gehen. Das macht viel mehr Spass.

Um noch rechtzeitig zum Unterricht zu kommen, müssen die letzten Meter dann jeweils sehr schnell zurückgelegt werden. Heute erst recht, denn Pukllasunchis kommt für die Tonaufnahmen.

Die letzten Vorbereitungen dafür werden noch im Klassenzimmer getroffen. Die LehrerInnen Delia Espinoza sagt: „Für mich als Lehrerin gibt es eine Zeit vor und eine nach dem Radioprojekt. Das Projekt gibt den indigenen Kindern und ihrer Kultur Anerkennung. Sie öffnen sich und fühlen sich Teil des Unterrichts und der Gruppe. Dies fördert ihre Bereitschaft zum Lernen und das zählt unglaublich viel hier.“

Das Thema für die Radiosendung, für das sich die Klasse entschieden hat, ist die „Heirat“. Sie wollen aufnehmen, wie in ihrer Dorfgemeinschaft geheiratet wird. Vor den Aufnahmen noch stehen die Buben auf einer Seite…

… und die Mädchen auf der anderen Seite.

Als die Aufnahmen dann beginnen, mischt sich die Gruppe allmählich.

Jetzt treten verschiedene Akteure auf: hier zum Beispiel der Ritualführer …

… die Erzählerin, …

… eine Köchin, …

… die Chicha (Maisbier), das an keinem Fest fehlen darf, …

… die tanzenden Gäste, …

… und immer wieder Ermelinda, die bei diesen Tonaufnahmen, die aber in Tat und Wahrheit ein phantastisches Theaterstück sind, voll aus sich herauskommt.

Die Lehrerin Delia geht auch voll mit und freut sich, als ob sie Teil der Klasse wäre.

Nach dem eigentlichen Stück stellen sich alle Kinder noch vor. Das Wichtigste dabei sind für die Kinder die Grüsse an ihre Eltern, Geschwister und Verwandten, die in ein paar Wochen diese Sendung über das Radio hören werden.

Zum Schluss dann noch ein Gruppenbild. Die Kinder sind stolz darauf, dass sie ein äusserst gutes Feedback von Pukllasunchis erhalten haben.

Delia, die Lehrerin, besucht regelmässig die Eltern ihrer SchülerInnen. Ermelinda spielt in ihrer Freizeit mit ihren Cousinnen und Freundinnen, und sie hilft zu Hause im Haushalt. Zum Beispiel unterstützt sie ihre Mutter beim Kochen.
An Besuch fehlt es nie bei Ermelinda, denn sie und ihre Mutter sind  bekannt als gute Gastgeberinnen. Wenn alle gerade Zeit haben, zeigt Ermelindas Mutter den Mädchen ein paar Tricks in der Textilkunst.

Und wenn es kühler wird, unterhalten sie sich im etwas wärmeren Esszimmer.